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Thailand 2003

Thailand, so sagt man, sei „Asia for Beginners“. Vor zwei Jahren waren wir zwar bereits auf den Philippinen, doch so richtig gereist sind wir dort nicht. Das wollen diesmal.

Von Bangkok aus mit dem Zug hinunter in den Süden bis Chumphon. Von dort mit dem Boot nach Ko Tao und irgendwie wieder zurück.

Es sind Osterferien. Hat man schulpflichtige Kinder, kann man Asien leider nur an Weihnachten oder an Oster bereisen. Pfingsten wird schon „eng“, was die Regenzeit anbelangt.

Bereits von Deutschland aus hatten wir die Swiss Lodge nahe der Silom Road in Bangkok reserviert. Was wir auf keinen Fall wollten, war nach 16 oder 17 Stunden Anreise, ein Hotelzimmer suchen. Das waren uns die hundert Dollar für 4 Personen in einem guten Hotel Wert. Nicht zuletzt wegen der beiden Mädels nahmen wir grundsätzlich Hotels mit Pool. So waren die beiden „aufgeräumt“ und wir konnten uns ungestörter Unterhalten, Pläne schmieden.

Noch am Abend gehen Nela und ich los, um uns in der näheren Umgebung etwas umsehen. Die Silom Road durchläuft als breite Hauptstrasse das Bankenviertel. Sie ist gespickt mit Geschäften und Restaurants, abends wird auf den Bürgersteigen zudem der Nachtmarkt aufgebaut.

Auf dem Rückweg entdecken wir eine Kneipe, die vollkommen un-asiatisch zu sein schien, das Irish X-Change. Das Publikum besteht ausschließlich aus „Farangs“, Expats, die in Bangkok arbeiten und hier ihr Feierabend-Bier trinken. Dennoch, die Kneipe hat was.

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Der nächste Tag ist geprägt von der Stadtbesichtigung. Soweit man bei Bangkok von einer „Stadtbesichtigung“ sprechen kann. Im wesentlichen besuchen wir Tempel um Tempel, die irgendwann für uns alle gleich aussehen und machen zum Abschluss noch eine Fahrt durch die Klongs, die Kanäle.

Die Bootstour bleibt mir insbesondere deswegen in bleibender Erinnerung, weil ich noch nie vorher und nachher von einer Person, der Steuerfrau, dermaßen häufig hintereinander übers Ohr gehauen wurde, oder sie es zumindest versuchte.

Die absolute Krönung war der Kauf einer Dose Bier. In irgendeinem Seitenarm des Chao Phraya paddelte ein Typ mit dem typischen Hut aus Reishalmen auf uns zu, den Kahn voll mit Andenken. Der ganze billige Mist, den kein Mensch braucht. „Fächer?“ nein, „Trommel?“ nein danke, „Frosch, macht Geräusche?“ nein auch nicht. Als er sah, dass wir ihm wohl nichts abkaufen würden, zog er seine letzte Trumpfkarte: „Dose Bier für Frau?“ und deutete mit einem Nicken auf unsere Steuerfrau. Da konnten wir ja schlecht nein sagen. Knapp 2 Euro kostet diese Dose Bier. Wir gaben sie der Frau. Diese machte jedoch keinerlei Anstallten zu trinken, sie trank dieses Bier auch nie, sondern gab sie dem Typen irgendwann zurück.

Dennoch, die Fahrt war ein Erlebnis.

Unter anderem stoppten wir an einer Reptilienfarm. Dort konnte man Alligatoren ansehen, Chamäleons und Schlangen. Mit den Schlangen gab es auch eine Show. Genauer gesagt, mit Kobras. Wie oft der „Dompteur“ selbst schon zum Schlangeserum greifen musste, konnte uns keiner sagen.

Zum krönenden Abschluss hängte man uns dann am Ausgang noch eine Schlange um den Hals. Glaubwürdig versichert, dass diese nicht giftig sei, sondern „nur“ würge – beruhigend.

Den Abend verbrachten wir ganz unserer Vorsätze gemäß im Irish X-Change und fühlten uns schon fast, wie Indochina Experten.

Den kommenden Tag sollte es weiter gehen in den Süden, nach Ban Krud. Dort befindet sich ein 20 Kilometer langer, vollkommen unberührter Strand. Was nicht klappte und warum wir nicht mit dem Zug fahren konnten, den wir uns ursprünglich ausgesucht hatten, konnten wir nicht nachvollziehen. Schlussendlich landeten wir in einer Bummelbahn dritter Klasse, die bereits aus Chiang Mai im Norden Thailands kam. Als der Zug in Bangkoks Hualumpong Station einfuhr, war er brechend voll. Die steigen ja jetzt hier sicher alle aus, dachten wir. Dem war aber nicht so, im Gegenteil mit uns drängten hunderte weiterer Fahrgäste in die überfüllten Waggons.

Da standen wir nun, mit unseren Rucksäcken bei knapp 30°C, konnten nicht umfallen vor lauter Enge und dachten nur, was zum Teufel machen wir hier eigentlich. Für die Kinder war es am schlimmsten, die sahen ja maximal bis zu den Gürtelschlaufen der anderen. Eine Frau hatte Mitleid und überließ den beiden ihren Sitzplatz. Sie stand, wie wir, für die nächsten sechs (!) Stunden.

Endstation war Hua Hin. Hua Hin war Thailands erster Badeort, der anfangs großteils von Mitgliedern der Königsfamilie besucht wurde. Durch den Bau der Eisenbahnlinie bis Malaysia wurde der Ort schließlich verkehrsgünstig erschlossen und die Thai High Society konnte es ihrem Monarchen endlich gleich tun. Wenn Mitglieder der königlichen Familie in Hua Hin erscheinen, so steht ihnen ein eigener kleiner Bahnhof, ein Häuschen im thai-viktorianischen Stil, zur Verfügung.
Für uns war Hua Hin nur ein Zwischenstop, am nächsten Morgen sollte es weiter gehen nach Süden.

Es ist der 13. April, für die Thais ein besonderer Tag, es ist der Beginn des thailändischen Neujahrsfestes. Dass es „nass“ werden könnte, damit hatten wir gerechnet und den Kindern am Vorabends an einer der zahlreichen Buden auch noch ein paar Wasserspritzpistolen gekauft, was wir auf den Strassen dann aber zu sehen bekamen, spottete jeglicher Beschreibung.
Praktisch alle zehn Meter stand eine Gruppe von Leuten neben einer großen Wassertonne und in der Hand eine Schüssel. Kaum ein Thai kam trockenen Fußes auch nur wenige Meter weit. Mit uns „Langnasen“ hatte man wohl etwas erbarmen, wir wurden nicht sofort komplett gebadet sondern waren erst am Bahnhof nach unzähligen dieser Stationen tropfnass.

Einen besonderen Charme hat es dann noch, dass zudem die Gesichter mit Talkum eingeschmiert werden. Wir sahen also wirklich aus, wie die Schweine, fügten uns jedoch so sehr gut in das Gesamtbild.

Für die Kinder war es das Höchste. Die zwei Stunden Verspätung, die der Zug wieder hatte, vertrieben sie sich mit Wasserpistolen-Duells.

Mittags erreichten wir schließlich Ban Krud. Am Bahnhof hing ein kleiner Zettel mit dem Hinweis auf eine Unterkunft am Strand. Die Telefonnummer funktionierte nicht, wir nahmen uns also ein Trycycle und ließen uns direkt zu Madame Ouen fahren. So richtig konnte der Fahrer mit der Adresse auch nichts anfangen und wir fragten einen „Weißen“ in einem der Gärten nach der Adresse. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen deutschen, emeritierten Professor handelte, der mit just dieser Madame Ouen verheiratet war. Zimmer seien alle ausgebucht, in ganz Süd-Thailand gibt es zu Songkran keine Zimmer mehr, waren seine Worte. Allerdings hatten sie noch ein privates Fremdenzimmer. Wenn es uns nichts ausmachte, Haus und Bad zu teilen, für sie wäre es OK. Für uns war es das auch.

Nicht nur, die Unterkunft an einem der schönsten Strände Thailands, auch die Geschichten des „Professors“ bleiben mir unvergesslich. Er selbst war lange Jahre tätig an der Universität in Chiang Mai, sprach fließend Thai und lehrte dort oben im Norden irgendeine Art von Kunst. Bereist in Deutschland hatte er wohl einen Lehrstuhl inne und berichtete von seinem Experiment „Hochgeschwindigkeitsmalerei“.
Aus seinem Porsche entfernte er den Beifahrersitz und breitete im Inneren des Wagens jede Menge Plastikfolien aus. Dann legte er eine Leinwand neben sich und fuhr mit dem Wagen auf die Autobahn. Bei Tempo 220 fing er dann zu Malen an. Oder besser, er tauchte den Pinsel in verschiedene Farbtöpfe und spritzte damit auf die Leinwand. Ich konnte echt nur den Kopf schütteln.

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Dennoch, wir erlebten die kurzweiligsten Abende überhaupt. Er zeigte uns die kleinen Lokale, in denen das Essen besonders gut schmeckt und nahm uns mit auf den Chinesischen Nachtmarkt.

Drei Tage blieben wir und bestiegen das letzte Mal den Zug, diesmal nach Chumphon. Dort ließen wir uns von einem Taxi an den 12 Kilometer nordwestlich liegenden Hat Thung Wua Laen fahren. Wir passierten einige Anlagen und entschieden uns am Ende für das View Resort. Auch hier der Strand wieder ein Traum und vor allem, jetzt nach dem Ende des Songkran, vollkommen menschenleer. Wir hatten Glück und bekamen Bungalow Number one.

Zum Essen jedoch gingen wir ein Resort weiter. An unserem ersten Tag entschied ich mich für „minced beaf with chili“. Es sei „spicy“ meinte die Bedienung und ich nickte freudestrahlend. Ich esse gerne scharf, das war allerdings wirklich heftig und ich wusste nun, was man mit den Salatgurken macht, die einem zu derlei Gerichten gereicht werden. Auch Nelas Lieblingsgericht „Chicken with cashewnuts“ bereitete kein Koch so lecker zu, wie der in diesem Restaurant. Getoppt wurde das ganze nur noch durch den Red Snapper, den ich mir tags darauf bestellte und tatsächlich fuhren wir zwei Mal, im Winter 2003/2004 und Pfingsten 2009 nur wegen des Essens noch mal nach Chumphon.

Ein Pritschenwagen brachte uns und ein weiteres Dutzend Passagiere zum Hafen von Chumphon, wo wir das Schnellboot hinüber nach Ko Tao bestiegen. Ko Tao ist neben Ko Samui und Ko Phangan die kleinste der drei Insel und angeblich noch ein Geheimtipp. Dass dem nicht so ist, stellten wir fest, als wir das Boot dort verließen. Praktisch die gesamte Insel ist fest in den Händen der Tourismusindustrie. Besonderen Stellenwert nimmt das Tauchen ein. In jedem Resort werden die entsprechenden Kurse, teilweise sogar auf Deutsch, angeboten. Strände hat Ko Tao praktisch keine zu bieten.

Unser erstes Bungalow befindet sich oberhalb des Meeres auf einem Hügel. Traumhafter Blick, doch viel zu klein für vier Personen und nur mit Van auch nachts bei der Hitze nicht auszuhalten.

Ich miete daher eine Honda Dream und mache mich auf die Suche. Dabei stoße ich auf die Charm Churee Villa, eine Bungalow-Anlage mit wunderschönen Holzhäusern, ebenfalls am Hang und auch innen extrem geschmackvoll eingerichtet. 50 Euro zahlen wir inklusive eines reichhaltigen Frühstücks und Benutzung des wunderschönen, eigenen Sandstrandes. Am Tag zuvor hatte Corinna sich beim Laufen durch das Wasser bereits an einer Koralle tief in die Ferse geschnitten und auch hier war an den Rändern, hin zu den Felsen, die den Strand einsäumten, höchste Vorsicht geboten.

Die Charm Churee Villa war bisher eine der schönsten Anlagen, die wir auf unseren Reisen besucht haben. Nicht ganz billig, jedoch extrem empfehlenswert.

Doch es stand uns die Rückreise nach Bangkok bevor. Angesichts des „Zugdramas“ auf der Hinfahrt, buchten wir kurzerhand 4 Tickets und flogen von dem nagelneuen Flughafen in Chumphon zurück in die Hauptstadt. Aufgrund des geringen Passagieraufkommens ist der Flughafen zwischenzeitlich bereits wieder geschlossen.

So günstig lag der Flug, dass wir mit nur kurzer Wartezeit in Bangkok den Flieger zurück über Dubai nach München besteigen konnten.

Vieles hatten wir gelernt auf dieser ersten wirklichen Reise durch ein asiatisches Land und wollten das Gelernte unmittelbar umsetzen.

Kaum zu Hause buchten wir daher bereits den nächsten Flug nach Bangkok, noch im selben Jahr, für den 23. Dezember...

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