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Thailand 2009
KarteThailand

Kanchanaburi hat, außer dieser Brücke aus dem 2. Weltkrieg, nichts zu bieten. Diesen Abend muss man sagen fast nichts. Gerade sind wir mit dem Essen in einem der Restaurants oben an der Hauptstrasse fertig, da denken wir, wir sehen nicht recht. Drei Biker kommen die Strasse mit ihren Motorrädern herunter. Motorrad ist nicht der richtige Ausdruck, es sind drei Chopper mit den vermutlich längsten Gabeln westlich des Mekong. Wie sie es schaffen, kann ich nicht mehr nachvollziehen,

Thailand im Juni? Ist das nicht etwas spät? Regnet es da nicht dauernd? Es geht. Vorausgesetzt, man bereist nicht das Festland sondern Ko Samui – wir taten beides.

Freitag abend, am letzten Schultag vor den Pfingstferien besteigen wir den Emirates-Airbus nach Dubai, warten dort wieder einmal mehr die 4 Stunden auf den Anschluss und können Samstag vormittag in Bangkok unser Gepäck von Band nehmen.

Kanchanaburi lautet unser Ziel. Die Stadt hat genau eine Sehenswürdigkeit, das ist die „Brücke am Kwai“. Draußen schifft es. Es gibt einen Bus von Bangkok dorthin. Wir haben jedoch keine Lust, erst in die Stadt zu fahren, dort dann den Bus zu besteigen und in Kanchanaburi dann mit einem Tuk Tuk oder einem Taxi zum Resort zu fahren. Die paar Euro ist es uns Wert, gleich am Flughafen einen Wagen zu mieten, der uns direkt die hundert Kilometer nach Norden fährt.

Als wir Kanchanaburi erreichen, haben wir den Eindruck, die Welt geht unter. Das ist Thailand also in der Regenzeit. Auch mal interessant.

Per Internet hatte Nela bereits zwei Zimmer auf einem Hausboot im Sugar Cane Resort für uns gebucht. Die Boote liegen auf dem Kwai, in einer Reihe vertäut. Die Atmosphäre ist unglaublich entspannend, selbst der immer wieder einsetzende Regen ändert daran nichts. Wir sitzen auf dem Balkon und blicken auf den Fluss vor uns.

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tatsächlich wenden sie aber ihre Kisten und parken rückwärts ein. Ich selbst finde es sonst affig, „tolle“ Motorräder anzusehen, muss allerdings gestehen, dass selbst mich dieser Auftritt beeindruckte. Die Aktion schreit nach einem Foto. Als ich dieses mache, begrüßt mich einer der drei sogar mit einem Wai.

Am kommenden Morgen laufen wir die Hauptstrasse ein paar Kilometer nach Norden und erreichen erst ein kleines Museum, in dem eine Dampflok ausgestellt ist und dann die Brücke selbst.

Bekannt wurde die Brücke am Kwai durch die Verfilmung des gleichnamigen Romans. Die schwarze Eisenbrücke ließ die Kaiserlich Japanische Armee durch Kriegsgefangene von Java nach Kanchanaburi als Teil der sogenannten Todesbahn bringen. Diese Bahnlinie sollte im 2. Weltkrieg eine logistische Verbindung zwischen Thailand und Burma herstellen. Sie war Ziel zahlreicher Bombardements durch Alliierte Truppen und wurde dabei mehrfach vollständig zerstört. Erst nach dem Krieg wurde sie wieder originalgetreu aufgebaut.

Die Arbeiten an der nicht zu unrecht genannten Todesbahn mussten unter unmenschlichen Bedingungen ausgeführt werden.

Die Schneisen in die bergige Landschaft wurden von den Kriegsgefangenen von Hand geschlagen. Ursprünglich war eine 5-jährige Bauphase eingeplant. Die Japaner hielten ihre Kriegsgefangenen jedoch dazu an, die Strecke innerhalb von nur 16 Monaten fertig zu stellen. 16.000 Arbeiter starben während der Bauphase.

Besichtigt man die Brücke heute, stellt sich die entsprechende Atmosphäre nur schwer ein. Zu sehr wird alles touristisch ausgeschlachtet. Verkaufsbuden, eine lächerliche Touristenbahn, Kriegsliteratur allerorts.

Die beiden Mädels zieht derweil etwas anderes in ihren Bann, ein Tigerbaby. Unweit Kanchanaburis befindet sich der „Tiger Temple“, in dem Mönche in vollkommendem Frieden zusammen mit Tigern leben.

Dorthin lassen wir uns kommenden Tags fahren. Die Vorstellung war jedoch eine etwas andere. Tatsächlich ist der „Tempel“ ein weitläufiges Gelände, auf dem die Tiger den allgegenwärtigen Touristen an verschiedenen Stellen „streichelfertig“ zur Schau geboten werden. In einem kleinen Kessel sind etwa 20 erwachsene Tiere mit Halsändern an Bodenankern festgebunden. Fast alle Tiger schlafen oder sind sonst irgendwie apathisch. Drogen bekämen die Tiere nicht, sie verhielten sich von Haus aus so, wenn sie nicht gereizt würden. Wir können es nicht glauben. Als sie sich am späteren Nachmittag tatsächlich mehr oder weniger behäbig und auf eigenen Beinen in ihr Quartier auf den Weg machen, tun wir es ihnen gleich.
 

Das Thema Siteseeing ist für uns somit abgeschlossen und wir verlassen am kommenden Morgen die historische Stätte mit dem Bus zurück nach Bangkok.

Für die Weiterfahrt nach Surat Thani, von wo aus unsere Fähre nach Ko Samui ablegen sollte, wählten wir den Nachtzug. Zu viele und ausschließlich positive Berichte hatten wir darüber schon gehört. Diesmal passte es optimal in den Zeitplan. Ein kurzes Intermezzo zum Kauf von ein paar neuen Flip Flops, dann ging es zur Hualumpong Station, Bangkoks Hauptbahnhof.

Die Tickets hatten wir bereits in der Tasche und in der Tat, der Zug war genial. Blitzblank sauber mit blendend weißer Bettwäsche. Unsere Betten waren allesamt oben. Die unteren wurden erst aufgebaut, als die entsprechenden „Besitzer“ kamen. So lange hatte man dort zwei Sitzplätze mit Tisch zur Verfügung.

Abfahrtszeit war 19:30, in Chumphon wollten wir am kommenden Morgen um 5:00 Uhr aussteigen, um nach vielen Jahren dort am Hat Thung Wua Laen einmal wieder vorbei zu schauen. Leider verfügte der spätere Zug über keine Schlafwagen, so mussten wir in den sauren Apfel beißen.

Bis wir irgendwann gegen Mitternacht in unsere „Kojen“ verschwanden, saßen wir im „normalen“ Waggon, durch den in regelmäßigen Abständen, ganz nach thailändischer Sitte jemand lief, der entweder etwas zu essen oder zu trinken verkaufte.

Sollte ich jemals wieder in Thailand von Norden nach Süden oder umgekehrt fahren müssen, nur noch mit dem Nachtzug, das Ding ist einfach genial. Erster Klasse kostet die Fahrt Bangkok – Chumphon 1.200 Bath, 2. Klasse 620 Bath. Das sind gerade einmal 25, bzw. 13 Euro.

Weniger spaßig war natürlich die Ankunft um ¼ nach 5 in Chumphon, wo absolut alles noch geschlossen hatte. Gegen acht, nachdem wir uns eine Zeit in der Innenstadt herumgetrieben hatten, ließen wir uns – wieder im Regen – zum View Resort bringen, in dem wir das letzte Mal vor fünf Jahren waren. Einiges hatte sich her verändert. Die großen, schattenspendenden Bäume waren weg, die Böschung durch eine Mauer mit Treppe ersetzt. Auch die kleineren Bungalows hatten nun Aircon und eine vernünftige Einrichtung. Unser favorisiertes Speiselokal nebenan gab es in der Form nicht mehr. Alles in allem genug Gründe, auch ohne den ständigen Regen, die Segel zu setzen nach Ko Samui.

Auch an diesem Tag schüttete es aus Eimern. Bevor ich am Busbahnhof den Regenschirm beim Aussteigen aus dem Taxi öffnen kann, bin ich bereits nass bis auf die Haut.

Wir wählten den Bus für unsere Fahrt weiter nach Surat Thani. Dieser passt so richtig in das asiatische Weltbild. Außen orange, innen zart rosa gehalten. Jede Menge Vorhänge und Papierblümchen und - nicht zu übersehen – eine riesige Musikanlage nebst Fernseher. Ein Karaoke-Bus. Na super. Doch das Schicksal meint es gut mit uns. Nur wenige Fahrgäste begleiten uns und die Anlage bleibt aus. Selbstverständlich sind 3 Stunden zu lang, um ohne Pause durchfahren zu können und so stoppt der Bus unterwegs in Lang Suan, um den Fahrgästen Gelegenheit zu geben, einen Happen zu essen.

Auch wir steigen aus und steuern zielstrebig den Nudelstand an. Die rote Sauce sei „phet“ scharf, meint die Köchin. OK, gerne. Von Phet jedoch keine Spur. Ich verlange noch etwas Chilipulver und werde wohl in die Geschichte dieses Nudelstandes eingehen. Kopfschüttelnd, die Hände vor dem Mund stand man daneben und sah mir beim Essen zu. Scheinbar würzt man hier nicht so stark.

70 Kilometer liegt der Fährhafen außerhalb Surat Thanis, 500 Bath zahlen wir daher für das Taxi. 130 Bath p.P. sind es noch mal für die Fähre, dann legt das Schiff mit einem lauten Hupen ab und wir lassen sowohl das Festland als auch die Regenwolken hinter uns.

Der Rest ist zwar nicht Schweigen aber richtiger Urlaub. Am Lamai Beach finden wir bei Amy’s einen genialen Bungalow. Zwei Eingänge, zwei Zimmer, zwei Bäder, genau das richtige, um zwei pubertäre Mädchen und ihre „peinlichen“ Eltern getrennt aufzubewahren.

Das Relaxen wird unterbrochen durch den ein oder anderen Besuch der kleinen Ortschaft und des Nachtmarkts, auf dem wir uns an den „Fressständen“ den Bauch voll schlagen. Ich komme auf die absolut verblödete Idee, joggen zu gehen. Das mache ich aber wirklich nur einmal, nachdem mich bereits in der Früh um acht fast der Hitzschlag trifft.

Ko Samui ist touristisch bis zum Abwinken, jedoch angenehm. Ganz anders, als wie wir es vor Jahren in Krabi erlebten, mit Hotelburgen direkt am Meer. Vielleicht gibt es die hier auch, nicht aber am Lamai Beach.

Schwer fällt der Abschied von diesem wirklich schönen Strand, als wir uns am letzten Ferientag mit dem Taxi zum Flughafen bringen lassen.

Der hat seinesgleichen aber auch noch nicht gesehen. Alles ist offen, keine Hallen, keine klimatisierten Abfertigungsbereiche. Einige wenige offene Pavillons spenden Schatten, sonst sorgt einzig der laue Wind für ausreichende Kühlung. Angelegt sei die Anlage nach den Mustern des Feng Shui.

Noch ein letztes Mal fahren wir hinein nach Bangkok, nehmen uns ein Zimmer im P2, dem Guesthouse, in dem Nela an Ostern mit einer Bekannten abgestiegen war, und besuchen die kleinen Gassen, um noch das eine oder andere Kleidungsstück zu kaufen.

Auf der Dachterrasse des P2 trinken wir unser letztes Singha, dann winken wir von der Strasse ein Taxi zu uns, welches uns hinaus bringt zum Suvarnabhumi Airport.

Nach langer Abstinenz war Thailand einmal mehr ein traumhaftes Reiseland. Unglaublich nette Menschen, gutes Essen und zuletzt ein wundervoller Strand – was will man mehr? - Wieder hin!

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