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Thailand 2010
KarteThailand

Bangkok brennt – war die Schlagzeile am 20. Mai 2010. Das Außenministerium hatte eine Reisewarnung für Thailand ausgesprochen und zahlreiche Länder hatten ihre Botschaften in der Hauptstadt geschlossen. Vor allem Thailands Landbevölkerung rebellierte gegen die herrschende Politik, ihr Zeichen: Rote Hemden. Strassen wurden von ihnen blockiert, das Bankenviertel um die Silom Road mittels Straßensperren abgeriegelt. Am 19. Mai hatte die Geduld der Regierung ein Ende, Panzerwagen walzten die Barrikaden aus Bambus und Autoreifen nieder. Es wurde geschossen und es gab Tote. Darunter einen italienischen Journalisten, den eine Kugel in den Bauch traf. Aus Rache zündeten die Rothemden drei Gebäude an, darunter das Silom Center, eine Shopping Mall im Herzen Bangkoks.

Wir ignorierten die Meldungen und steigen am Sonntag, den 23. Mai 2010 in den Flieger, um über Dubai einmal mehr nach Südostasien zu reisen.
Unser Weiterflug sehr früh am kommenden Morgen erfolgte vom alten Flughafen Dong Muang. Der Grund, aus dem wir gleich im dortigen Flughafenhotel zwei Zimmer buchten. Ein 4-Sterne Haus für 30 Euro das Doppelzimmer. Blitzblank mit Pool und allem Komfort.

Um 5 Uhr, das ist Mitternacht deutscher Zeit, quälen wir uns aus den Betten, um kurz darauf beim Einchecken feststellen zu dürfen, dass unser Flug um 2 Stunden verschoben wurde. Was macht man, wenn man stundenlang irgendwo herumhängen muss und warten? Man isst. Wir kennen nun alle Restaurants rund um den Airport, sie sind alle gut und das Essen macht in allen dick.
Irgendwann lässt aber auch dieser Flieger seine Triebwerke an und vorbei rollen wir an den ausgestorbenen Gates des alten, inzwischen geschlossenen Dong Muaeng international Airport. Fast gespenstisch sieht es aus, die reinste Geisterstadt.

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Surat Thani erreichen wir um halb elf. Die üblichen „Helfer“ versorgen uns sogleich mit den Tickets für die Busfahrt zum Fährhafen und Boot. Die paar Bath, die man spart, wenn man selber eine Travel Agency nach der anderen abklappert, ist den Aufwand nicht wert. Im klimatisierten Toyota Minivan geht es also zum Schiff. Ein letztes Mal heißt es hier nun warten, bis der betagte Kahn die Leinen los macht, dann sind wir auf dem Meer, dem Ziel unserer Reise, Ko Phangan, ein gutes Stück näher.

Die Fähre landet in thong Sala an. Das Pickup Taxi bringt uns über Staubpisten quer durch den Dschungel auf die andere Seite der Insel, wo wir uns für das Longtail Beach Resort am Tong Nai Pan entscheiden.

Nach zwei Tagen Anreise ziehe ich endlich meine Turnschuhe aus, trenne die Hosenbeine von meiner Treckinghose ab und genieße in der untergehenden Sonne ein kühles Shingha mit Blick auf einen traumhaften Strand. Ich komme mir vor, wie nach einer langen Reise endlich zu Hause angekommen zu sein.
Die Bungalows sind hervorragend. Teils aus Stein, teils aus Holz, alle sauber – es passt einfach.
Abends im Restaurant sind wir fast die einzigen Gäste, ein paar Touristen verlaufen sich noch hier her, um neun Uhr fragt man uns aber schon nach der letzten Bestellung. Die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes haben Wirkung gezeigt. 54% Stornierungen, sagt uns Watcharin Rodpenthai der Eigentümer, und kaum andere Gäste, die das auffangen.

009_LongtailBeachResort

Wir merken es darin, dass hier aller spätestens um zehn Uhr nichts mehr geht – am gesamten Strand. Heute ist es uns egal, die Anreise war lang und anstrengend doch am nächsten Tag beginnt es, uns zu stören. Am frühen Abend bereits die Getränke für den gesamten Abend bestellen zu müssen, ist jedoch nicht das, was wir die nächsten zwei Wochen wollen. Lange überlegen wir hin und her, entschließen uns aber dann doch, am dritten Tag auf die Hauptinsel Ko Samui überzusetzen. Es tut uns fast leid, als eine der letzten Gäste auch noch abzureisen, hat man sich doch so sehr um uns bemüht.

Wir haben Glück, das Boot nach Samui legt direkt hier am Strand ab. Für 300 Bath p.P. bringt es uns an das Nordende von Samui und passiert dabei eine ganze Reihe von traumhaften Stränden entlang der Küste Ko Phangans.

Zuletzt ist der Haad Rin, der „Full Moon Party Beach“ an der Reihe. Nela hat hier letztes Jahr gewohnt und zog nach zwei Tagen an den Nachbarstrand, weil das Technogedröhne auf Dauer nicht auszuhalten war.

020_Überfahrt

Nun geht es hinaus auf das offene Meer. Die kleine Nussschale schwankt bedenklich und so ganz wohl ist mir nicht, als das Boot wieder und immer wieder in die Wellentäler kracht. Nela stirbt fast vor Angst. Seit sie letztes Jahr in Thailand auf einer ähnlichen Fahrt beinahe gekentert wäre, kostet es sie höchste Überwindung, mit einem so kleinen Boot eine derartige Fahrt zu unternehmen. Ich habe direkt ein schlechtes Gewissen, dass wir nicht wieder mit dem Taxi über die Berge zur Fähre sind, aber wir sparen einfach einen halben Tag und so lange die Helfer noch in Ruhe ihre Zigaretten drehen, wird es wohl noch nicht so schlimm sein.
Eine Stunde dauert die Überfahrt, knapp zwei Stunden insgesamt, bis wir auf Samui anlegen. Mit einem Songthaew fahren wir hinüber an den Lamai Beach und stehen genau ein Jahr später wieder an der Rezeption des Amity Beach Ressorts.

Man erkennt uns sogar wieder – Kunststück bei den beiden Mädels und ihren Locken – und bietet uns das Bungalow zum gleichen Preis, wie 2009. 1000 Bath pro Zimmer anstelle 1500.
Hier merkt man so gut, wie nichts von ausbleibendem Tourismus. Das Ressort scheint gut gebucht zu sein und auch die Restaurants und Kneipen am Strand können nicht über Gästemangel klagen. Doch wir merken, dass es ein Fehler von uns war, Ko Phangan zu verlassen.

Nochmals einen Tag für das Reisen zu opfern, das wollen wir dann aber doch nicht. Der Strand ist traumhaft zum Baden, die touristische Infrastruktur intakt, das Essen ausgezeichnet und das Wetter ein Traum.

In das Dorf gehen wir im Gegensatz zu letztem Jahr nur selten. Es ist unglaublich heiß dort, drückend, kein Lufthauch weht. Mit dem Essen vom Nachtmarkt hatten sich die drei Mädels letztes Jahr tierisch den Magen verdorben, an mir ist der Kelch vorbei gegangen. Dennoch lassen wir diesen kulinarischen Genuss diesmal ausfallen. Statt dessen gehe ich oft hinauf zur Strasse an eine Garküche und hole für uns scharfen Papaya Salat, dazu ein paar gebratene Hähnchenspieße alles kostet nur ein paar Cent.

Einen Abend essen wir in der „Kochschule“. Für 300 Bath kann man dort tagsüber EIN Gericht kochen lernen. Im wesentlichen ist es eine Garage mit Tischen und Stühlen. Ein Ventilator dreht sich quietschend über dem Tisch hin und her, schafft es aber nicht die Ameisen von der vergilbten Plastiktischdecke zu wehen, das muss dann schon die unglaublich dicke Köchin mit ihrem Putzlumpen machen.
Die Tierchen sind kooperativ und kommen erst zurück, als wir mit Essen fertig sind. Wan Tan Suppe, verschiedene scharfe Rindfleischgerichte, Green Curry mit Huhn und Reis. Es schmeckt umwerfend und kostet nicht mehr, als bei uns eine Leberkässemmel. 800 Bath zahlen wir zu viert zusammen mit den Getränken. Gerade einmal 5 Euro, für 4 Personen.

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Am nächsten Tag sehe ich ein Schild im Nachbarressort „Live Music and BBQ“. Warum nicht einmal so etwas, etwas richtig touristisches? Es kostet einige Überzeugungsarbeit, Nela so weit zu bringen. Die Kinder sind gleich mit dabei.

Die Meinungen innerhalb der Familie über den Abend sind geteilt, ich finde es großartig. Das Grillfleisch ist – für mich vollkommen unerwartet – von ausgezeichneter Qualität und die Musik wenigstens nicht so schlecht, dass man gleich wieder gehen muss. Die „Band“ besteht aus 2 Leuten und einem Computer. Schlagzeug und Bass kommen wohl vom Festplattenspeicher, E- und Akustikgitarre sind live.
Die beiden schütten ungeheure Mengen an Beer Chang in sich hinein und rauchen sicher mehrere Schachteln gefälschter Marlboro. Das was aber gerade der E-Gitarrist an Show abzieht ist irre. Der Knabe spielt, wie Jimmy Hendrix, das Beste ist sein Solo bei “Smoke on the water”.

Als ich mir für 50 Bath einen Tag Internetzugang erkaufe, sehe ich, dass Nok Air wieder die Flugzeiten geändert hat. Es wird verdammt knapp, den Anschluss am International Airport zu erreichen, wir müssen fast durch die ganze Stadt. Ich entschließe mich also, den Nok Air Flug zu stornieren und wir kaufen ein Ticket für den Flug am Nachmittag. Sau blöd, müssen wir doch jetzt 8 Stunden in Bangkok auf den Weiterflug warten.

033_Lamai

Irgendwann ist es soweit. Ein letztes Mal den 2 Kilometer langen Strand entlang laufen und das wohl verdiente Singha trinken, ein letztes Mal zur Fahne an der Boje draußen auf dem Meer schwimmen und ein letztes Mal lecker thailändisch essen.

An der Rezeption im Amity kaufe ich das „Rückfahrpackage“. Das ist das faszinierende in Asien. Man kann im Prinzip an einer Dönerbude eine Reise buchen. Ich bekomme ein Voucher für eine Fahrt mit dem Minivan zum Hafen, für das Fährticket und für die Fahrt mit dem Bus zum Flughafen. So richtig neugierig, fast aufgeregt, wie das nun funktionieren mag, kann ich abends lange nicht einschlafen.

Um kurz vor neun holt uns besagter Minivan und bringt uns zur Fähre. Wir gehen aber nicht aufs Boot sondern ein Mensch fragt uns, ob wir die vom Amity sind – ja! Ab jetzt haben wir so ein Klebewapperl auf dem T-Shirt, das uns als „Die sind’s“ outet.

Man schickt uns zu einem Bus. Der fährt fahrplanmäßig um Punkt 10:00 Uhr los – aber nicht auf die Fähre! Die halbe Strecke geht es zurück, bis er bei dem anderen Anleger endlich auf das Boot fährt.
Am Festland angekommen benötigt die Besatzung fast genau so lange zum Anlegen, wie für die komplette Überfahrt. Man muss erst ein dünnes Seil hinüber auf den Peer werfen, an dem das dicke Tau dann über die Poller gezogen wird. Doch wieder und immer wieder fällt die Strippe ins Wasser.

Schließlich ist das Schiff aber fest, wir können von Bord und der Bus kommt ebenfalls von der Fähre, uns wieder aufzunehmen.

So ganz sicher bin ich immer noch nicht, ob das klappt und frage den Fahrer zum dritten Mal „Airport?“ Der nickt zum dritten Mal und wiederholt „Airport!“

Na gut. Die Fahrt nach Surat Thani dauert eine gute Stunde. Irgendwann hält der Bus am Strassenrand, ein Mensch steigt ein, geht die Reihen durch und deutet verschiedenen Fahrgästen, das sie aussteigen sollen, darunter auch uns.

Man fragt uns „Airport?“, wir nicken. Da vorne in das Auto sollen wir steigen.

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In einen Mitsubishi aus den 70ern laden wir unser Gepäck und setzen uns. Quasi im Limousinen Service werden wir so direkt vor den Eingang des Flughafens gebracht.

Innen treffen wir mit der Zeit einen Großteil der anderen Reisenden, die entweder mit einem anderen Bus, einem anderen Boot und ganz sicher nicht bei uns im Auto, alle das gleiche Ziel erreicht haben. Beeindruckend.

Superpünktlich um 15:40 hebt der Flieger ab hinauf nach Norden in Thailands Hauptstadt. So schwer ist mir der Abschied selten gefallen. Mir wird schwer ums Herz, als ich einen letzten Blick auf die bewaldeten Hügel, die Reisfelder und kleinen Flüsse werfe. Dann sind wir über den Wolken.

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Für Bangkok hatte ich uns die Shanti Lodge aus dem Reiseführer herausgesucht. Dort wollen wir die letzten Stunden bleiben. Wir mieten ein Zimmer für 300 Bath – 6,50 Euro – wo wir das Gepäck lassen können und uns später umziehen. Die Gemeinschaftsduschen im Erdgeschoss sind Blitz sauber, wir haben es aber nicht nötig und so sparen wir den Aufwand.

Nela legt sich aufs Bett und hört Musik wären die Kinder und ich in die Tempelanlage nebenan gehen, wo scheinbar irgendein Jubiläum gefeiert wird. Jede Menge Bühnen sind aufgebaut und zahlreiche Künstler zeigen, was sie können.

Dann heißt es aufbrechen. Wir müssen zum Flughafen. Wie eine gesengte Sau rast der Taxifahrer über den Highway. Welche Strecke er auch immer genommen hat, die kürzeste war es ganz sicher nicht, zeigt das Taxameter.

Die sterile Welt des neuen Suvarnabhumi Airport macht uns unmissverständlich klar, dass spätestens jetzt der Urlaub zu Ende ist. Ein letztes Bier in der feuchten Hitze der Nacht, dann geht es ab in die Boing 777 auf den Weg über Dubai nach München


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