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Thailand Winter 2003/2004

Ein einziges Mal verbrachten wir den Heiligen Abend nicht zu Hause. Weihnachten 2003 war das, als wir bereits wenige Monate nach unserer ersten Thailand Reise am Abend des 23. Dezember wieder in Bangkok eintrafen. Das Gepäck war etwas mehr, dieses Mal, hatten wir doch die Geschenke für die Kinder noch in den Rucksäcken und Koffern zu verstauen.

Vollkommen unverständlich war es für mich bis dahin, Weihnachten in einem Hotel irgendwo in der Wärme zu verbringen und auch heute noch gebe ich dem heimischen Christbaum der Kokospalme den Vorrang.

Nur einen Abend blieben wir in Thailands Hauptstadt und bauten die Geschenke im 14. Stock unseres Hotels vor einem großen Panoramafenster auf.

Bereits am kommenden Tag ging es weiter. Angesichts unserer Erfahrungen mit Zügen von letztem Jahr, wählten wir für unsere Fahrt nach Süden zum „Professor“ diesmal den Bus.

Der Standard Aircon-Bussen ist auf den weiteren Überladfahrten perfekt. Sogar eine Stewardess im blauen Kostümchen gibt es, die ab und an etwas Kaltes zu trinken reicht.

An der Abzweigung nach Ban Krud lassen wir den Fahrer halten und nehmen für die paar Kilometer zum Strand ein Tricycle.

Per Fax hatten wir unser Kommen angekündigt und tatsächlich erwartete uns Richard bereits mit einem gut gefüllten Kühlschrank und neuem Haus für Gäste. Die kleine Siedlung hat sich zwischenzeitlich ebenfalls geändert. Im vorderen Teil entstand ein Hotel mit Pool.

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Veränderungen finden rasch statt in diesen Ländern. Wo ein paar Monate vorher noch unberührte Natur ist, kann zwischenzeitlich ein Hotel oder Einkaufszentrum entstanden sein.

Der Strand selbst jedoch ist nach wie vor vollkommen unberührt. 20 Kilometer lang, keine Menschenseele. Nur die Wellen sind extrem hoch. Dezember ist früh für den Besuch der Westküste am Golf von Siam.

Ein paar Tage bleiben wir, amüsieren uns wieder köstlich über die Geschichten des Professors und, wie er es sichtlich genießt, ganz „proletarisch“ sein Bier aus der Dose zu trinken.

Der Sprinter, eine Schnellzug, stoppt in Ban Krud und wir versuchen unser Glück nochmals mit Thailands Zügen. Chumphon erreichen wir wenige Stunden später und lassen uns sofort zum View Resort bringen. „Bungalow Number one“ hatten wir von Ban Krud aus noch reserviert und so klappte diesmal wirklich alles, wie am Schnürchen. Das Essen war genial, wie immer, nur einen kleinen Wehrmutstropfen gab es. Mit Ausnahme des Chumphon Cabana Resorts am

Nordende des Hat Thung Wua Laen, finden sich in den restlichen Anlagen am Strand nur Thais. Diese gehen wohl früh zu Bett. Anders ist es nicht zu erklären, dass spätestens um neun überall die Schotten dicht gemacht werden. Möchte man dann noch etwas trinken oder essen, hat man schlicht Pech gehabt.

Das ist auch am 31. Dezember der Fall. Tatsächlich müssen wir so lange in Chumphon auf die Abfahrt des Songthaews warten, dass wir das View Resort erst nach acht erreichen. Die Küche hat zwischenzeitlich geschlossen, so besteht für uns das Silvester-Menü aus ein mehreren Tüten Krabben-Chips, ein paar Bier und Cola für die Kinder. Wenigstens entfällt so das Warten, bis es endlich 12 ist.

Waren wir an Ostern auf Ko Tao, so wollen wir diesmal die Westküste Thailand besuchen.

Mit dem Bus fahren wir nach Khao Lak und von dort mit dem Taxi die paar Kilometer an den Bang Sak Beach.

Als Unterkunft wählen wir das Bang Sak Resort inmitten eines lichten Palmenhains stehen mehrere Holzhütten. Eine unglaubliche Ruhe geht von diesem Ort aus. Ein Platz, so angenehm, wie ich ihn selten wieder finden konnte. Ein Jahr später zerstörte der Tsunami diesen wunderschönen Flecken Erde.

Dann begehen wir einen großen Fehler und verlassen diesen Ort. Der Schreck in Form des Pauschaltourismus kommt jedoch in Stufen.

Unser erstes Ziel ist die Bucht von Phang-Nga. Um dorthin zu kommen wählen wir einmal mehr den Bus. Keinen klimatisierten diesmal, die Strecke wird nur von den älteren Bussen 2. Klasse bedient.

Der Fahrer, der uns zur Bus Station bringt, deutet auf eine Insel des Busbahnhofs und meint, „Dort fährt der Bus nach Phang-Nga ab. Im Ticketschalter sagt uns der Mensch zudem, er zeigt uns dann den richtigen Bus.

Kurze Zeit später trifft er ein. Der Gepäck-Hiwi hinten an der Tür ruft laut „Phang-Nga“, der Ticketverkäufer deutet auf den Bus und der hält an der bezeichneten Stelle.

Wir steigen ein, vor uns setzt sich eine weitere Europäerin, die aus irgendeinem Grund wieder aussteigt. Darauf meint Nela, „frag doch mal, ob wir wirklich im richtigen Bus sitzen!“ Ich schaue verständnislos, bin aber brav und gehe vor zum Fahrer, um zu fragen: „Phang-Nga?“, der bricht in schallendes Gelächter aus, alle Reisenden um ihn herum ebenfalls. Ich kehre zurück zu Nela, die fragt „und?“ „Keine Ahnung“ meine ich, alle lachen nur. „Gib mir mal den Rucksack mit dem Reiseführer!“ sagt sie, kramt diesen heraus und schlägt ihn auf der

Seite „Phang-Nga“ auf. „Zeig ihm das mal, vielleicht hat er nicht richtig verstanden!“ Ich also wieder vor, halte dem Fahrer das Buch unter die Nase, er klopft sich wieder vor Lachen auf die Schenkel und ich kehre zurück zu meinem Platz.

„Und?“ ist wieder die Frage von Nela „keine Ahnung aber nie wieder gehe ich da vor!“ Antworte ich.

Tatsächlich und vollkommen unerwartet fährt der Bus nach Phang-Nga. Zu Hause erfahre ich von einem Kollegen, der mit einer Thailänderin verheiratet ist, dass „phang nga“, wenn man es falsch betont „Gesicht kaputt“ heißt. Offensichtlich hatte ich den Fahrer also gefragt, ob sein Gesicht kaputt sei.

Phang-Nga selbst ist der Ausgangspunkt für eine ganz besondere Bootstour. Die Hauptattraktion ist diese Bootsfahrt durch die vorgelagerte Inselwelt mit zahllosen bizarren Felsen, die überall schroff aus dem Wasser ragen. Die Fahrt führt vorbei an einem von Moslems bewohnten Stelzendorf, 3 – 4 Tausend Jahre alten Malereien, sowie zahlreichen Lagunen und Höhlen. Mittag gegessen wird auf einer kleinen Insel. Den Abschluss bildet in der Regel Khao Tapu, besser bekannt, als „James Bond Felsen“. Hier wurde ein Teil des Films „Der Mann mit dem goldenen Colt“ gedreht. Und hier erleben wir den Tourismus das erste Mal so richtig knüppeldick. Khao Tapu und Khao Phingan, von wo man auf den Felsen blickt, werden täglich von Hunderten von Touristen besucht. Um die vielen Souvenirstände unter zu bringen, musste extra Sand aufgeschüttet werden.

Dennoch, die Fahrt selbst ist gigantisch und absolut empfehlenswert. Vergleichbar ist sie wohl mit einer Tour durch die Halong Bucht in Nordvietnam.

Einen wahren Schock bekommen wir, als wir Krabi erreichen. Wir hätten es wissen sollen, bereits, als wir das Mc Donalds Restaurant sehen. Für Ao Nang entscheiden wir uns. Laut Reiseführer „der wohl schönste Strand, den man von Krabi ohne Boot erreichen kann“. Na Danke. Das Hotel am Strand mit Zimmer zum Hof verlassen wir unmittelbar, nachdem wir es gesehen haben. Um uns nicht die restlichen vier Tage nur ärgern zu müssen, zahlen wir die 50 Euro am Tag für ein schönes Zimmer im Phra Nang Inn, verbringen die meisten Tage am dortigen Pool, nachdem der Strand schlicht scheußlich ist und machen nur eine Bootsfahrt hinüber nach Tham Phra Nang.

Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die zwei Mal hintereinander nach Krabi fahren, wo man nur fettbäuchige, sonnenverbrannte Europäer trifft, die sich von unfreundlichen Straßenhändlern permanent abzocken lassen und bei schlechtem Essen den „Taxi Girls“ hinterherschauen – oder waren wir bloß am falschen Strand?

Einen Vorteil hatte das Ganze, der Abschied viel uns denkbar leicht. Krabi verfügt über eine gute Anbindung via Flugzeug an Bangkok und so können wir wenigstens bei einem letzten Bier im Irish X-Change über unsere Erlebnisse philosophieren, bevor es zurück ins winterliche München geht.

Dieses letzte Erlebnis und der Tsunami, der wirklich die schönsten Regionen Thailands zerstörte, waren der Grund dafür, dass wir jahrelang Thailand nicht mehr besuchten. Badeurlaube machten wir seither auf den Philippinen, die „Erlebnis-Trips“ in Kambodscha und Laos.

Doch eine Bekannte von Nela – Helga, eine pensionierte Lehrerein – machte Thailand uns irgendwann wieder schmackhaft, so dass wir Pfingsten 2009 nochmals dorthin fuhren.

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